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Stellenanzeigen-Audit-Checkliste: 25 Punkte AGG-konform

Praxis-Hinweis: Dieser Artikel ist praxisorientierte Compliance-Dokumentation, keine Rechtsberatung. Wir sind Compliance-Spezialist, keine Anwaltskanzlei. Für rechtsverbindliche Auskünfte konsultieren Sie eine zugelassene Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

TL;DR

  • 25-Punkte-Checkliste für AGG-konforme + EU-Pay-Transparency-ready Stellenanzeigen
  • Gendergerechte Sprache (m/w/d) ist Mindestanforderung — § 7 AGG
  • Pay-Spanne in Anzeige verpflichtend ab 07.06.2026 (EU 2023/970, Art. 5)
  • Beweislastumkehr nach § 22 AGG: Indiz reicht für Diskriminierungsvermutung
  • Schadensersatz: typisch 1–3 Brutto-Monatsgehälter pro Kläger:in (§ 15 AGG)

Hauptartikel: Hauptartikel: § 22 AGG-Beweislastumkehr — der vollständige Pillar-Artikel zum Thema.

Sektion A: Geschlecht (5 Punkte)

1. m/w/d-Format? 2. Keine geschlechtsspezifischen Adjektive (z.B. 'tatkräftiger Manager')? 3. Bilder gendergerecht? 4. Begrüßung 'Sehr geehrte Damen und Herren'? 5. Pronomen-Wahl ('Sie' vs. 'er')?

Sektion B: Alter (5 Punkte)

6. Keine 'jung'/'dynamisch'/'erfahren'? 7. Keine Altersgrenze (außer Schauspieler-Rollen)? 8. 'Berufseinsteiger' nur, wenn auch erfahrene OK? 9. Hinweis 'auch Berufsrückkehrer'? 10. Hinweis 'auch über 50'?

Sektion C: Behinderung (5 Punkte)

11. Hinweis 'Schwerbehinderte werden bevorzugt' (§ 165 SGB IX)? 12. Hinweis 'barrierefreies Bewerbungsverfahren'? 13. Behinderten-Ausweis-Schutz? 14. Notfall-Kontakt für Anpassungen? 15. Inklusiv-Bilder?

Sektion D: Religion + Ethnie (5 Punkte)

16. Keine 'mit deutschem Pass'? 17. Keine 'fließend Deutsch ohne Akzent'? 18. 'Sehr gute Deutschkenntnisse' statt 'Muttersprache'? 19. Tendenzbetrieb-Klausel nur wenn zutreffend? 20. Bilder ethnisch divers?

Sektion E: Pay Transparency (5 Punkte)

21. Gehaltsspanne angegeben (EU 2023/970, Pflicht ab 06/2026)? 22. Bonus-Struktur transparent? 23. Vorgängerin/Vorgänger-Lohn-Range? 24. Beförderungs-Pfad? 25. Kein 'gehaltliche Verhandlung'-Floskel?

Häufig gestellte Fragen

Reicht 'm/w/d' am Stellentitel für AGG-Konformität?

Nein, das ist nur ein Punkt von vielen. Ohne 'm/w/d' ist die Anzeige geschlechtsdiskriminierend (BAG-Linie seit 1.10.2018 nach BVerfG-Entscheidung zum dritten Geschlecht). ABER: 'm/w/d' allein heilt nicht andere Fehler — z.B. 'junges, dynamisches Team' (Altersdiskriminierung), 'Muttersprache Deutsch' (ethnische Diskriminierung), 'mit deutschem Pass' (verbotene Anforderung). Prüfen Sie die ganze Anzeige nach den 25 Audit-Punkten. Auch: 'm/w/d' im Titel reicht; im Text müssen Pronomen neutral sein ('Sie' statt 'er').

Welche Konsequenzen hat eine diskriminierende Stellenausschreibung konkret?

Drei Stufen: 1) Schadensersatz pro Bewerber:in typisch 1–3 Brutto-Monatsgehälter nach § 15 AGG; bei Nicht-Einstellung gedeckelt auf 3 Brutto-Monatsgehälter (§ 15 Abs. 2 S. 2). 2) Prozesskosten: 4–15k EUR Anwaltshonorar pro Klage. 3) Reputationsschaden: Public Naming durch Antidiskriminierungsverbände. Plus: Indiz-Wirkung nach § 22 AGG für ALLE eingegangenen Bewerbungen — bei systematischer Diskriminierung kann sich die Klägerzahl multiplizieren. Häufigste Klage-Konstellation: AGG-'Hopper' (Berufs-Kläger) bewerben sich auf risikobehaftete Anzeigen. Prävention via AGG-Audit kostet ~15 Min/Anzeige.

Muss die Gehaltsspanne in der Anzeige stehen?

Bis 07.06.2026: empfohlen, nicht zwingend. Ab 07.06.2026: PFLICHT nach EU Pay Transparency Directive 2023/970 (DE-Umsetzung BMAS-Entwurf 02/2026). Inhalt-Pflicht: Gehaltsspanne (Min-Max) ODER Einstiegsgehalt mit Zusatz '+entwicklungsfähig'. Spanne darf nicht 'kosmetisch' sein (z.B. nicht 30-150k bei tatsächlichem Range 60-65k). Bußgeld ab 06/2026: bis 50.000 EUR pro Verstoß (BMAS-Entwurf). Best Practice: Gehaltsspanne 'realistisch +/- 15%' angeben. Zusätzlicher Effekt: bessere Conversion-Rate (Jobseeker reagieren positiver auf transparente Anzeigen).

Wie schütze ich mich vor 'AGG-Hoppern'?

AGG-Hopper sind Bewerber, die gezielt auf vermutlich diskriminierende Anzeigen reagieren um Schadensersatz zu klagen. BAG-Linie: solche 'Bewerbungen ohne Anstellungsabsicht' sind nicht geschützt (Rechtsmissbrauch). Prävention: 1) Anzeigen vor Veröffentlichung mit AGG-Audit-Checkliste prüfen. 2) Auswahl-Kriterien VOR Bewerbungseingang dokumentieren. 3) Strukturierte Interviews mit Score-Sheet. 4) Schriftliche Begründung pro Auswahl-Entscheidung. 5) ATS-System mit Audit-Trail. Bei verdächtigen Bewerbern: Indizien für fehlende Anstellungsabsicht sammeln (LinkedIn-Profil, frühere Klagen, Anwalt-Mandate). Erfolgsquote der AGG-Hopper-Abwehr: ~70% bei guter Doku.

Quellen

  • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), §§ 1, 7, 11 (Stellenausschreibung), 15 (Schadensersatz, 3-Monats-Cap bei Nicht-Einstellung), 15 Abs. 4 (2-Monats-Frist), 22, gesetze-im-internet.de/agg
  • Richtlinie (EU) 2023/970 Art. 5 (Pflicht-Angaben in Stellenanzeigen ab 07.06.2026), eur-lex.europa.eu
  • SGB IX § 165 (Einladungspflicht Schwerbehinderte), gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__165
  • BAG, Urteil vom 19.09.2024 — 8 AZR 21/24 (keine Entschädigung für AGG-Hopper)

Stand: 02.05.2026

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